. .
12.08.2010 . Pressartikel "Kinzigtal Nachrichten"

Kuki-Verein erwägt rechtliche Schritte

SCHLÜCHTERN Der Trägerverein des Schlüchterner Kulturkinos (Kuki) erwägt rechtliche Schritte gegen die Stadt Schlüchtern.

Dabei geht es um den Vorwurf des Vertragsbruchs. Sogar der Oscar-prämierte Regisseur Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) spricht sich für den Erhalt des Kinos in der ehemaligen Synagoge aus. Der Kuki-Trägerverein teilt über das Hanauer Rechtsanwaltsbüro Nickel mit, dass der Verein sowohl zu Verhandlungen als auch zu einem „umfassenden Rechtsstreit“ mit der Stadt bereit sei.

Zum einen geht es dabei um den Mietvertrag des Vereins mit der Stadt. Die Stadt hatte einen Vertrag mit dem Besitzer der Synagoge abgeschlossen und die Räumlichkeiten dann an den Verein weitervermietet. Dieser Untermietvertrag hat laut Anwaltsschreiben noch eine Laufzeit von vier Jahren. Im Sommer war allerdings der Vertrag zwischen dem Synagogen-Besitzer und der Stadt ausgelaufen. Nun fordert der Kuki-Verein, dass die Stadt ihren Vertrag erfüllt – oder Schadensersatz leistet.

Zum anderen geht es um das Kino-Inventar, das Mitarbeiter der Stadt im Juni aus der Synagoge geholt hätten und das der Verein zurückfordert. Rechtsanwalt Harald Nickel erklärt, es bleibe „zu hoffen, dass es kurzfristig zu einer (…) einvernehmlichen Regelung kommt.“ Grundlage dafür soll die „Wiedereinräumung des Besitzes“ sein. Nickel weiter: „Alle Beteiligten sollten schnellstmöglich aufgeschüttete Gräben schließen, um zeitnah zum erforderlichen Kinobetrieb in dem historischen Gebäude zurückkehren zu können. Es sei denn, die Stadt schüfe an anderer Stelle unverzüglich (…) eine Alternative.“ Als Frist für die Beseitigung der Brandschutzmängel in der ehemaligen Synagoge setzt der Anwalt den 1. September, als Frist für die Herrichtung eines erforderlichen zweiten Kinosaales den 3. November.

„Diese Fristen sind nicht einhaltbar“, erklärte am Dienstag der Schlüchterner CDU-Fraktionsvorsitzende Heribert Schad. Bevor es zu Gesprächen zwischen allen Beteiligten kommen könne, müssten zunächst alle Fakten, sprich: Zahlen für Investitionen, auf den Tisch: „Was würde der zweite Kinosaal kosten? Ich rechne da mit einem kleinen Schlösschen.“ Die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Inge Vey, sprach nicht im Namen ihrer Partei, als sie erklärte: „Ich bin grundsätzlich nicht dafür, viel Geld in dieses Gebäude zu investieren, um das Kino zu erhalten.“ Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) war am Dienstag nicht erreichbar.

Per E-Mail hat sich nun sogar Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff zu Wort gemeldet. Er bittet darum, das Kino zu erhalten. „Der Besuch im Kino Schlüchtern war für mich unvergesslich, ein bewegender Abend“, schreibt er. Die Geschichte des Hauses habe dazu ebenso beigetragen wie die schönen Proportionen des Saales und das fachkundige Publikum. Nun habe er erfahren, dass all das in Gefahr ist. „Es ist leicht, etwas abzuwickeln, das über Jahre entstanden ist. Es ist fast unmöglich, es je wieder erstehen zu lassen“, mahnt Schlöndorff.

Der Artikel ist abrufbar unter http://www.fuldaerzeitung.de/newsroom/kinzigtal/Kinzigtal-Kuki-Verein-erwaegt-rechtliche-Schritte;art40,328042#